Trockeneis zum Frühstück

Live 1980, Label: bipolar

  • Unfug 2:56 (Holst)
  • Samba Pardon 9:15 (Holst)
  • Heinos Beerdigung 5:48 (Holst)
  • Wock im Watt 4:27 (Holst)
  • Alcaseltsam 11:38 (Holst)
  • Trockeneis zum Frühstück 4:32 (Twellmann)
Trockeneis zum Frühstück - Alcatraz

1979/80 vollzog sich die entschiedene Abkehr vom Unternehmen „politische Texte“. Das rein Spielerische wurde wieder in den Vordergrund gestellt. Rainer und Ralf kamen dazu, Rübe verließ die Band.

 

Der auslaufende Jazzrock der 70er und seine engen musikalischen Korsetts dominierten Westdeutschlands Live-Musik (natürlich neben dem aufkommenden Punk-Gestümper mit ähnlich engen Korsetts). Angesagt waren lässige spielerische Fummeleien, funkig, aalglatt, mit niedrigem Emotionsniveau. Dem konnte Alcatraz schon rein technisch kaum entsprechen. Also hat man versucht, drauf zu scheißen. Trotzdem ist eine völlig unnötige Ehrfurchtshaltung in dieser LP klar zu erkennen. Eine deutliche Abgrenzung gegenüber dem deutschen Spießer-Konservatoriums-Jazzrock würde erst in den folgenden Jahren durchschlagen.

 

Die Tendenzen in dieser Richtung finden sich in Klaus Holsts Stücken „Heinos Beerdigung“ und „Alcaseltsam“.

 

Die Live-Mitschnitte im Hamburger „Pö“ und in Gütersloh wurden abgemischt von Ulli Wilkening, einem Aufnahmemann der damaligen "Schneeball"-Records („Umsonst und Draußen“/Porta Westfalica/Vlotho), einer autonomen Live-Musik-Bewegung (Embryo, Checkpoint Charlie, Missus Beastly, Aera usw.) mit denen Alcatraz in dieser Zeit oft gemeinsam auf Festivals auftrat.