Rock Jazz Heavies

Rock Jazz Heavies - Alcatraz

Nach 5 Jahren beruflicher Arbeit in Berlin und v.a. München und Aufrechterhaltung des Alcatraz-Projektes im Duo mit Thomas Hockling in seinem Aalener Privatstudio (siehe entsprechende CDs), zog es mich wieder nach Norden in die alte Heimat… es war vorerst der spontane Entschluss, mit den alten Jungs die Jet Set Blues Band von 1969 mal wieder in Finkenwerder auftreten zu lassen… und das passierte im Frühjahr 2009.

 

Und da war auch wieder einer der Urgründer von Alcatraz im Fokus: Ronny Wilson. Und der kriegte mit, dass ich scharf drauf war, Alcatraz in Hamburg neu erblühen zu lassen. Und zu meiner Überraschung meldete Ronny sich spontan aus der Hüfte, er sei dabei. Und das nach 37 Jahren Abstinenz!... Er hatte sich 1972 aus der Gründerformation „kurzfristig“ abgemeldet. Da ich Ronnys Stärken kannte (er war vor 4 Jahrzehnten hier der erste Bassist, der nicht nur während der Gigs freie Soli präsentierte, sondern schon mit Zusatzgeräten – zum Entsetzen seiner damaligen Freundin - Fliegerangriffe auf den vier Saiten simulierte), gab es meinerseits keine Sekunde Diskussionen.

 

Und dann der 2. „Zufall“: Während des Probens von Jet Set im Studio kam da ein sehr sauber gekleideter, dezenter Mann - etwas schmaler als Ronny und ich, wenig Haare auf dem Kopf, mit tiefer Stimme und sehr sachlichem Timbre - ins Studio und gab uns ein paar knappe, aber gewinnbringende Tipps für die dortige Technik. Es war Peter Brusch. Zu meinem Glück griff er kurz zur Gitarre, um die Sounds zu testen…nach den ersten 17 Tönen war mir klar, wie die nächste Alcatraz-Besetzung auszusehen hat…und zudringlich, wie ich es nun einmal bin, zettelte ich Gespräche an, um den Mann für Alcatraz zu bekommen… was anfangs nicht gerade einfach war, da er selber noch vier eigene Projekte hatte und so ganz nebenbei eine Familie und einen Fulltime-Job…Gut, das Ergebnis ist unschwer zu erraten: Die Alcatraz-Qualität setzt sich durch… Peter Brusch hat voll angegriffen…als Gitarrensolist mit erschlagender Bandbreite, als Komponist, als Studiotechniker… … und Ronny wieder als Bassmann, Leadsängerund Allround-Technik-Experte…

 

Zu meinem weiteren Glück hatten die beiden Spaß an meiner Idee, das nächste Alcatraz-Programm ausnahmsweise nicht auf reinen Eigenkompositionenbasieren zu lassen, sondern dieses Mal - als kleine Verbeugung - Fremdkompositionen aus dem glänzenden Fusion-Bereich hauptsächlich der 70er in den Mittelpunkt zu rücken… Stücke, die man schon immer mal interpretieren wollte, es aber damals nicht hinbekam…und was gibt es Geileres, als jazzige Themen im vollen Rock-Sound von Strat-Marshall-Double-Bass-Drum mit einem satten E-Bass unten drin und allen Freiheiten in den Instrumentalteilen durch zu hämmern?...

 

Liebe Grüße an Jack Bruce, Jeff Beck, Billy Cobham, King Crimson,Patto und die anderen fertigen Typen! Dass dabei, quasi als positives Parallelprodukt, auch noch diverse rein improvisierte „Warm-Ups“-CDs herauskamen, macht die Zeit zwischen Mitte 2010 und Mitte 2011 zu einer der kreativsten Alcatraz-Epochen…und das mit einem Durchschnittsalter von knapp 60!... man könnte zum Hippie werden, oder!?... … oder wie Jack Nicholson bei der Verleihung sagte: „You ain’t seen nothing yet.“

 

Jan Rieck - 08.2011